
15.01.2026 | Am 16. Januar 1945 traf Magdeburg im Zuge des Luftkriegs ein umfassendes Flächenbombardement, das zahlreiche zivile Opfer forderte. Dieses Ereignis und der nachfolgende Wiederaufbau prägten die Stadtentwicklung von Grund auf. Die breite zivilgesellschaftliche Initiative Weltoffenes Magdeburg greift auch 2026 die fortwirkende Zäsur als Ausgangspunkt der Aktionswoche „Eine Stadt für alle“ auf, die jeweils mit dem 27. Januar, dem Internationalen Holocaust-Gedenktag, ihr Ende findet.
Auch Miteinander e.V. ist Teil der Aktionswoche „Eine Stadt für alle“ und freut sich dabei zu sein. Gemeinsam mit unserem Partner, der Stadtbibliothek Magdeburg, legen wir mit der nunmehr vierten Fortsetzung des Gedenkjahrs Magdeburg im n die Erinnerung an die lokalen Opfer des Nationalsozialismus und ihre Bedeutung für die demokratische Gesellschaft der Gegenwart in den Mittelpunkt unserer Beiträge.
Denn so verstehen wir den Kern der Aktionswoche: Sie stellt das jährliche Gedenken an die Bombardierung Magdeburgs in den Zusammenhang des Kriegsgeschehens insgesamt, um die Erinnerungspraxis zu öffnen. Der Zweite Weltkrieg ist durch das Deutsche Reich nicht nur als Angriffs- und Eroberungskrieg entfacht worden. Von Beginn an wurde der Konflikt vielmehr auch als ideologisch motivierter Vernichtungskrieg geführt. Die Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden erfolgte fortwährend gezielt parallel zu militärischen Handlungen. Der NS-Ideologie einer homogenen Volksgemeinschaft vielen Angehörige vieler weitere Minderheiten und Bevölkerungsgruppen zum Opfer: Sinti* und Roma, Osteuropäerinnen, Behinderte, Personen mit „abweichendem Verhalten“, politische Gegner*innen u.v.m. wurden ermordet oder versklavt.
Will das Gedenken anlässlich des 16. Januar diesen Kontext angemessen berücksichtigen, so muss es sich daher auf zwei Gruppen von Leidtragenden richten, deren Geschichte und Schicksale aber nicht nebeneinanderstehen, sondern aufs Engste miteinander verbunden sind. Damit beziehen wir und viele Akteur*innen Magdeburgs jedes Jahr aufs Neue erinnerungspraktisch Position gegenüber relativierenden Sichtweisen auf die Geschehnisse, die Leid und Opfer mit dem Ziel gegenüberstellen sowie deutsche Schuld und Verantwortung in Zweifel zu ziehen. Andererseits rufen vielgestaltige Beiträge zur Aktionswoche das umfassende Ausmaß des zerstörerischen und mörderischen Handelns, das auf nahezu allen gesellschaftlichen Ebenen getragen wurde, ins Bewusstsein.
Angesichts des Erstarkens und einer anhaltenden Normalisierung rechtsextremer Diskurse ist eine demokratische erinnerungspolitische Positionierung umso notwendiger – auch als Antwort auf den wachsenden Antisemitismus.
Veranstaltungen im Rahmen des Gedenkjahrs Magdeburg
17.01.2026 | 10 Uhr | Haltestelle Domplatz
Straßenbahnfahrt zu Erinnerungsorten des Nationalsozialismus
Katholische Erwachsenenbildung Sachsen-Anhalt und Miteinander e.V.
17.01.2026 | 16 Uhr | Bauzaun-Galerie Alter Markt
Nachkriegskarriere eines NS-Verbrechers in Magdeburg: Der Arzt Dr. Kurt Heißmeyer
Stadtbibliothek Magdeburg und Miteinander e.V.
21.01.2026 | 17 Uhr | Stadtbibliothek/Zentralbibliothek
“Luftkrieg in der Literatur. Zwischen Ästhetik, Ethik und Polemik”: Vortrag von Dr. Antonio Roselli
Stadtbibliothek Magdeburg
22.01.2026 | 18 Uhr | Moritzhof
Film und Gespräch: “Weltkarriere einer Lüge”
ARTist e.V., Landesverband Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt, Miteinander e.V.
23.01.2026 | 16 Uhr | einewelt haus
Zeitzeuginnen-Gespräch mit Elisabeth Zacharias
VVN-BdA Magdeburg und Miteinander e.V.
27.01.2026 | 16 Uhr | vor dem Hauptbahnhof
Der Taten erinnern, der Opfer gedenken: Lesung anlässlich des Holocaust-Gedenktags
Stadtbibliothek Magdeburg und Miteinander e.V.
Alle Informationen zu den Veranstaltungen finden sich auf den Seiten der Initiative Weltoffenes Magdeburg.